Umsatzsteuerberatung durch den Steuerberater beim internationalen Onlinehandel

Händler bauen in zunehmendem Maß auf den Absatz via Internet

Die Handelsbranche ist im massiven Umbruch und auch die steuerberatenden Berufe müssen sich zunehmend auf neue Modelle ihrer Mandanten im weltweiten E-Commerce einstellen. Mehr und mehr Händler begreifen die Digitalisierung als Chance und bauen neben dem stationären Handel in zunehmendem Maß auf den Absatz via Internet. Dabei setzen Onlinehändler ihre Produkte längst nicht mehr allein im eigenen Onlineshop ab, sondern nutzen verstärkt auch Online-Marktplätze. Hauptzielgruppe im E-Commerce ist nach wie vor der Verbraucher (B2C), doch auch der Handel mit Geschäftskunden (B2B) wird zunehmend ausgebaut. Zögerlich, aber spürbar wächst auch der Vertrieb von Dienstleistungen via Internet (vgl. www.bitkom.org). Zusammengefasst lässt sich feststellen: Die Branche wächst kontinuierlich, und mit ihr auch der Beratungsbedarf in der Umsatzsteuer. Damit Steuerberater nicht Gefahr laufen, „am Geschäftsmodell vorbei“ zu beraten, ist die Unterscheidung der verschiedenen Vertriebswege und deren Besonderheiten und Stolperfallen in der Umsatzsteuer unerlässlich.

I. Onlineshop vs. Online-Marktplatz

Onlineshops definiert man landläufig als Website, über die ein Unternehmen Waren oder Dienstleistungen im Internet anbietet und verkauft. Regelmäßig wird der Betreiber des Onlineshops seine Produkte in eigenem Namen anbieten und damit selbst Leistender sein. Dagegen bietet ein Online-Marktplatz („Market­place“) ausweislich der Definition im Gesetzentwurf zum „JStG 2018“ (eigentlich „Gesetz zur Vermeidung von Umsatzsteuerausfällen beim Handel mit Waren im Internet und zur Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“ v. , BGBl 2018 I S. 2338) „ein modernes Medium an, über das Unternehmer, die im Inland, in der Europäischen Union oder im Drittland ansässig sind, Waren anbieten und verkaufen“. Der Marketplace erbringt damit eine sonstige Leistung an den teilnehmenden Händler, bietet die Handelsware aber nicht in eigenem Namen an. Daher wird der Marketplace nicht in die Lieferkette eingeschaltet, sondern lediglich der teilnehmende Händler.

II. Umsatzsteuerliche Fragestellungen für Betreiber von Onlineshops

1. Unternehmereigenschaft

Besonders bei nebenberuflich oder als Hobby betriebenen Onlineshops ist vorab zu klären, ob der Betreiber eines Onlineshops überhaupt umsatzsteuerlicher Unternehmer i. S. des § 2 UStG ist. Daran könnte es insbesondere fehlen, wenn der Betreiber nur gelegentlich Umsätze mit dem Shop erzielt, denn in diesem Fall fehlt es an einer auf Dauer zur Erzielung von Entgelten angeleg­ten Tätigkeit und damit am Tatbestandsmerkmal der Nachhaltigkeit. Umgekehrt ist bei einem hobbymäßig betriebenen Onlineshop nicht per se ausgeschlossen, dass dieser nachhaltig und damit unternehmerisch betrieben wird. Trennscharfe Kriterien, um das Überschreiten der Schwelle zum Unternehmer rechtssicher einzugrenzen, existieren ebenso wenig wie starre Wertgrenzen.

Die Finanzverwaltung beurteilt einen nicht nur vorübergehenden, sondern auf Dauer angelegten Verkauf einer Vielzahl von Gegenständen über eine Internet-Plattform als nachhaltig (Abschnitt 2.3 Abs. 6 Satz 1, 6. Sps. UStAE). Indizwirkung dürfte darüber hinaus auch die zu Ebay-Verkäufern ergangene Rechtsprechung entfalten, nach der auf eine Vielzahl von Kriterien abgestellt wird. In einem Fall (, BStBl 2012 II S. 634) hatte der BFH geurteilt, für die Unternehmereigenschaft spräche ein hoher betriebener Organisationsaufwand, insbesondere das Verfassen detaillierter Produktbezeichnungen, das Anfertigen von Produktfotos, Überwachung des Zahlungseingangs und zeitnahes Versenden der bestellten Ware. Auch eine lediglich kurze Dauer der Tätigkeit schließt die Unternehmereigenschaft nicht zwingend aus (, BStBl 2015 II S. 919). Diese Kriterien dürften für Onlineshops entsprechend gelten. Da ein Shopbetreiber schnell in die Unternehmereigenschaft „hineingleiten“ kann, ist eine Kenntnis der organisatorischen Abläufe des Shopbetreibers für den Berater daher unerlässlich, um die Unternehmereigenschaft mit gewisser Sicherheit beurteilen zu können. Nicht zuletzt auch für Zwecke des Vorsteuerabzugs ist die Klärung der Unternehmereigenschaft hilfreich.

Selbst wenn nach den obigen Kriterien die Unternehmereigenschaft erfüllt ist, muss an die Kleinunternehmerregelung (§ 19 UStG) sowie eine ggf. ausgeübte Option zur Regelbesteuerung gedacht werden.

2. Lieferungen an Unternehmer (B2B)

a) Ort der Lieferung

Liefert der Onlinehändler Ware an einen Unternehmer für dessen Unternehmen, bestimmt sich der Ort der Lieferung regelmäßig nach § 3 Abs. 6 Satz 1 UStG (bewegte Lieferung), so dass der Ort der Lieferung dann im Inland liegt.

b) Steuerbefreiungen und deren Nachweis

Im grenzüberschreitenden Handel stellt sich sodann die Frage nach einer Steuerbefreiung. Die wichtigsten Befreiungstatbestände sind die Ausfuhrlieferung (§§ 4 Nr. 1 Buchst. a6 UStG) sowie die innergemeinschaftliche Lieferung (§§ 4 Nr. 1 Buchst. b6a UStG). Nachfolgend sollen die wesentlichen Praxisfragen bei der innergemeinschaftlichen Lieferung näher beschrieben werden.

Bei innergemeinschaftlichen Lieferungen muss ein Händler sicherstellen, dass die Voraussetzungen der Steuerbefreiung buch- und belegmäßig nachgewiesen werden, auch wenn dieser Nachweis keine materiell-rechtliche Voraussetzung für die Steuerbefreiung ist.

Bestandteil des Belegnachweises ist stets …

3. Lieferungen an Nichtunternehmer (B2C)

a) Wesen und Zweck der Regelung
b) Aufbau der Regelung
c) Warenbewegung
d) Verbraucher oder Schwellenerwerber als Abnehmer
e) Lieferschwellen
f) Verpflichtungen des Lieferers im Bestimmungsland

III. Der Online-Marktplatz in der Umsatzsteuer

1. Verschärfungen für Marktplätze

2. Die Leistung des Marketplace an den teilnehmenden Händler

IV. Fazit

Autoren: 

Jürgen Scholz, Dipl.-Finw., StB, M.B.L.-HSG (Univ. St. Gallen) leitet die Umsatzsteuerberatung bei der WTS Steuerberatungsgesellschaft und ist als Global Head of Indirect Tax für das in über 100 Staaten präsente Steuerberatungsnetzwerk WTS Global tätig.

Philipp Carlson, RA, StB, ist Manager in der Service Line Indirect Tax bei der WTS Steuerberatungsgesellschaft in München. Er berät nationale und internationale Unternehmen in allen Fragen des Umsatzsteuerrechts.

Aus: USt direkt digital 1/2019 S. 14 NWB Dok-ID: UAAAH-01284

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