Kindertagesstätten und ihre umsatzsteuerliche Behandlung

Öffentliche und freie Träger sowie Betriebskindertagesstätten

Die Nachfrage nach Kinderbetreuung ist in den letzten Jahren ungebrochen groß. Darauf reagieren Kommunen, gemeinnützige Träger sowie Privatleute und gründen vermehrt neue Einrichtungen. Dabei werden die angebotenen Betreuungsmodelle immer vielfältiger: von der reinen Vormittagsbetreuung über die Ganztagsbetreuung bzw. die stunden- oder tageweise Betreuung sind je nach Kita fast alle Modelle vorhanden. Mal wird vor Ort gekocht, mal werden Convenience-Produkte erwärmt und wieder andere Einrichtungen arbeiten mit einem Caterer zusammen. Sprachunterricht, Ballettunterricht oder andere Kurse sind in einigen Kitas optional zubuchbar. – Bei dieser Vielzahl von Möglichkeiten rund um die Kita heißt es auch für den steuerlichen Berater, den Überblick zu behalten, wie die jeweilige umsatzsteuerliche Behandlung aussieht.

I. Träger und Entgelte

Bei der Wahl einer passenden Kindertagesstätte ist nicht nur die pädagogische Ausrichtung ein wichtiges Entscheidungskriterium, sondern auch der Träger der Einrichtung. Er hat die Verantwortlichkeit z. B. bezüglich der Fachaufsicht, der pädagogischen Ausrichtung, der Finanzen, des Personals, der Räume und der Ausstattung. Man unterscheidet zwischen öffentlichen und freien Trägern. Kita ist ein Sammelbegriff, unter welchem verschiedene Kinderbetreuungsformen zusammengefasst werden (können). Bei einer Kita kann es sich je nach Bundesland und Region um eine Kinderkrippe, einen Kindergarten oder einen Kinderhort handeln.

1. Träger

a) Öffentliche Träger

Als Träger öffentlicher Belange werden insbesondere Behörden bezeichnet, die öffentliche Sachbereiche verwalten. Sie tragen die Verantwortung über die wirtschaftliche und rechtliche Aufsicht der Kinderbetreuungseinrichtung. D. h., sie sind Einrichtungen der Stadt, des Landkreises oder einer Gemeinde.

b) Freie Träger

Freie Träger finanzieren sich zu Teilen aus öffentlicher Hand, Sponsoren, Spenden, Fördervereinen, Mitgliederbeiträgen etc. Die freien Träger unterscheiden sich in Hinsicht auf ihre Ziele und Konzepte. Bekannte freie Träger sind z. B.:

  • Kirchen und Religionsgemeinschaften,
  • Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband,
  • Deutsches Rotes Kreuz,
  • Arbeiterwohlfahrt,
  • Diakonie,
  • Caritas,
  • pro familia,
  • SOS-Kinderdörfer,
  • Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e. V.,
  • Elterninitiativen,
  • privatwirtschaftliche Träger.
c) Betriebskindertagesstätten

Betriebe werden nicht als Träger für Kitas anerkannt. Für die Anbindung einer Kindertagesstätte an einen Betrieb ist immer noch ein öffentlicher oder ein freier Träger nötig. Die Kosten sind für kleinere und mittlere Unternehmen jedoch häufig zu hoch. Mittlerweile werden deshalb Kompromiss-Modelle kreiert. Einige Betriebe gründen Kitas beispielsweise nicht als eigene Einrichtung, sondern in Kooperation mit einem Wohlfahrtsverband oder sie kaufen sich mit einem Platzkontingent in eine bestehende öffentliche Einrichtung ein.

2. Entgelte

Die Entgelte für einen Kita-Platz setzen sich in der Regel aus Betreuungs- und Verpflegungskosten zusammen.

Betreuungsentgelte sind in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Deren Höhe hängt insbesondere mit dem Bundesland und dem Träger zusammen. Während die Betreuung in bestimmten Bundesländern kostenlos ist (so ist z. B. in den Bundesländern Hessen, NRW und Niedersachsen die Betreuung im letzten Jahr vor Schulbeginn beitragsfrei; in Rheinland-Pfalz werden ab Vollendung des zweiten Lebensjahres des betreuten Kindes keine Kita-Gebühren mehr erhoben), erheben kostenpflichtige Einrichtungen bis zu 4.000 € im Jahr. In einer privaten Kita sind die Kosten für die Betreuung oftmals noch höher.

Bei den Verpflegungsentgelten handelt es sich hauptsächlich um die Kosten, die für das Mittagessen entstehen.

Zusätzlich kann Bastel- und Materialgeld anfallen.

II. Unternehmereigenschaft

Autor: Jörg Ramb, Dipl.-Finanzwirt (FH), Dozent an der Hochschule für Finanzen Rheinland-Pfalz.

Aus: USt direkt digital 13/2018 S. 15, NWB DokID RAAAG-84609